Risale-i Nur

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Vortrag

Aufrichtigkeit

İhlas — eine Zusammenstellung aus der Risale-i Nur

Dieser Vortrag versammelt ausschließlich Stellen aus der Risale-i Nur zum Thema Aufrichtigkeit. Die meisten Quellen stammen aus den beiden Abhandlungen, die das Werk der Aufrichtigkeit eigens widmet: dem Zwanzigsten Blitz und dem Einundzwanzigsten Blitz — jener Abhandlung, über der die Weisung steht, sie mindestens alle fünfzehn Tage einmal zu lesen. Die Zwischenbemerkungen (Anmerkung) dienen nur der Einordnung; Quellen in Klammern: Buch, Kapitel, Abschnitt.

Begriffe: ihlas — Aufrichtigkeit: die lautere, allein auf Gottes Wohlgefallen gerichtete Absicht; riya — Heuchelei, Schaustellung; hubb-u câh — Liebe zu Rang und Geltung; rabıta-i mevt — das Gedenken des Todes.

I. Aufrichtigkeit: die größte Kraft

O meine Brüder für das Jenseits, o meine Gefährten im Dienst am Koran! Ihr wisst es — und wisset: In dieser Welt, zumal in den Diensten für das Jenseits, ist das wichtigste Fundament, die größte Kraft, der annehmbarste Fürsprecher, der festeste Stützpunkt, der kürzeste Weg der Wahrheit, das annehmbarste innere Gebet, das segensreichste Mittel zum Ziel, die höchste Tugend, der reinste Dienst an Gott: die Aufrichtigkeit.

Da nun in der Aufrichtigkeit, wie die genannten Eigenschaften zeigen, so viele Lichter und so viele Kräfte liegen; und da nun in dieser furchtbaren Zeit, entsetzlichen Feinden gegenüber, unter heftigem Druck und inmitten anstürmender Neuerungen und Irrwege, uns — die wir so wenige, schwach, arm und kraftlos sind — eine überaus schwere, große, allumfassende und heilige Aufgabe des Glaubens und ein Dienst am Koran von der göttlichen Gnade auf die Schultern gelegt worden ist: so sind wir gewiss mehr als jeder andere verpflichtet und gehalten, mit unserer ganzen Kraft die Aufrichtigkeit zu erringen.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz — die İhlas-Abhandlung)

II. Wie vor Schlange und Skorpion

O meine Brüder! Ein bedeutendes, großes gutes Werk hat viele schädliche Hindernisse. Die Teufel setzen den Dienern eines solchen Dienstes hart zu. Gegen diese Hindernisse und diese Teufel muss man sich auf die Kraft der Aufrichtigkeit stützen. Meidet die Ursachen, welche die Aufrichtigkeit zerbrechen, wie ihr Schlangen und Skorpione meidet. Da Josef — Friede sei auf ihm — sprach: اِنَّ النَّفْسَ لَاَمَّارَةٌ بِالسُّوءِ اِلَّا مَا رَحِمَ رَبِّي — „Wahrlich, die Seele befiehlt gebieterisch das Böse — es sei denn, dass mein Herr sich erbarmt" —, ist der triebhaften Seele nicht zu trauen. Ichsucht und triebhafte Seele sollen euch nicht täuschen. Um die Aufrichtigkeit zu erringen, sie zu bewahren und die Hindernisse abzuwehren, seien euch die folgenden Grundsätze Wegweiser.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz — die İhlas-Abhandlung)

III. Erster Grundsatz: Gottes Wohlgefallen genügt

Euer erster Grundsatz: In eurem Tun soll das Wohlgefallen Gottes sein. Ist Er zufrieden, so ist es ohne Belang, wenn auch die ganze Welt sich abwendet. Nimmt Er an, so bleibt es ohne Wirkung, wenn auch alle Menschen es zurückweisen. Ist Er zufrieden und hat Er angenommen, dann — wenn Er will und Seine Weisheit es erfordert — lässt Er es auch die Menschen annehmen und macht auch sie zufrieden, ohne dass ihr darum gebeten hättet. Darum soll in diesem Dienst unmittelbar und allein das Wohlgefallen Gottes des Erhabenen der eigentliche Zweck sein.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz, Erster Grundsatz)

IV. Zweiter Grundsatz: Den Bruder nicht kritisieren

Euer zweiter Grundsatz: Die Brüder, die in diesem Dienst am Koran stehen, nicht zu kritisieren und ihnen gegenüber nicht — in der Art derer, die mit Vorzügen prunken — die Ader des Neides zu reizen. Denn wie die eine Hand des Menschen nicht mit der anderen rivalisiert, das eine Auge das andere nicht kritisiert, die Zunge dem Ohr nicht widerspricht und das Herz die Blöße des Geistes nicht aufdeckt — vielmehr eines des anderen Mangel ergänzt, seinen Fehler zudeckt, seiner Not zu Hilfe kommt und seiner Aufgabe beisteht; andernfalls erlischt das Leben dieses Menschenleibes, sein Geist entflieht, und auch sein Körper zerfällt. … So seid denn, ihr Schüler der Risale-i Nur und Diener des Korans: Ihr und wir sind Glieder einer geistigen Person, die den Namen eines vollkommenen Menschen verdient.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz, Zweiter Grundsatz)

V. Dritter Grundsatz: Die Kraft liegt in Wahrheit und Aufrichtigkeit

Euer dritter Grundsatz: All eure Kraft sollt ihr in der Aufrichtigkeit und in der Wahrheit wissen. Ja, die Kraft liegt in der Wahrheit und in der Aufrichtigkeit. Selbst die Ungerechten gewinnen Kraft durch die Aufrichtigkeit und Hingabe, die sie innerhalb ihrer Ungerechtigkeit zeigen. Ja, ein Beweis dafür, dass die Kraft in der Wahrheit und in der Aufrichtigkeit liegt, ist dieser unser Dienst: Ein wenig Aufrichtigkeit in diesem unserem Dienst beweist diese Sache und wird sich selbst zum Beleg.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz, Dritter Grundsatz)

VI. Vierter Grundsatz: Das Geheimnis des Tefani

Anmerkung — Tefani: „ineinander vergehen" — sich am Vorzug des Bruders freuen, als wäre er der eigene. Hıllet — die innige Freundschaft — verweist auf die Art Abrahams, des „Freundes Gottes" (Halilullah).

Euer vierter Grundsatz: Euch die Vorzüge eurer Brüder in eurer eigenen Person und ihre Verdienste an euch selbst vorzustellen und euch dankbar ihrer Ehre zu rühmen. … Unter Brüdern heißt dies „tefani": ineinander vergehen. Das heißt: die eigenen selbstischen Empfindungen zu vergessen und im Geiste in den Vorzügen und Empfindungen seiner Brüder zu leben. … Da unser Weg der Weg des Freundes Gottes ist, ist unsere Art die innige Freundschaft. Die innige Freundschaft aber verlangt, der nächste Freund, der opferbereiteste Gefährte, der schönste Würdiger und der großherzigste Bruder zu sein. Das Grundfundament dieser Freundschaft ist die lautere Aufrichtigkeit. Wer die lautere Aufrichtigkeit zerbricht, stürzt von der Spitze des überaus hohen Turmes dieser Freundschaft — und fällt womöglich in eine überaus tiefe Grube; dazwischen findet er keinen Halt.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz, Vierter Grundsatz)

VII. Was die Aufrichtigkeit zerbricht: Ruhmsucht

Anmerkung — Die Abhandlung zählt auch die Hindernisse auf, die die Aufrichtigkeit zerbrechen: die Rivalität um materiellen Vorteil, die Rangliebe, Furcht und Habgier. Das zweite Hindernis:

Das zweite Hindernis, das die Aufrichtigkeit zerbricht: Aus der Rangliebe kommende Ruhmsucht — unter dem Schleier von Ruhm und Ehre die Zuwendung der Allgemeinheit gewinnen, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, damit dem Ich schmeicheln und der triebhaften Seele einen Rang verleihen: Das ist nicht nur eine der schwersten Krankheiten der Seele, es öffnet auch der Heuchelei und Selbstdarstellung die Tür, die man „verborgene Beigesellung" nennt — und verletzt die Aufrichtigkeit.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz — die Hindernisse der Aufrichtigkeit)

VIII. Eine furchtbare Frage: Warum zerstreiten sich die Leute der Wahrheit?

Anmerkung — Der Zwanzigste Blitz ist von Anfang bis Ende die Antwort auf diese Frage; er nennt sieben Gründe. Hier die Frage und ein Stück des vierten Grundes:

Eine gewichtige und furchtbare Frage: Warum schließen sich die Leute der Welt, die Leute der Achtlosigkeit, ja selbst die Leute des Irrwegs und der Heuchelei ohne Rivalität zusammen — während die Leute der Wahrheit und der Eintracht, die Angehörigen der Religion, des Wissens und der geistlichen Wege, in rivalisierenden Zwist geraten? Wo doch die Eintracht das Recht der Leute der Eintracht und der Zwist das Los der Leute der Zwietracht wäre — wie ging dieses Recht dorthin über, und wie kam dieses Unrecht hierher?

(Lem'alar — Die Blitze, Zwanzigster Blitz — über die Aufrichtigkeit, Erster Punkt)

Der rivalisierende Zwist der Leute der Rechtleitung kommt nicht daher, dass sie das Ende nicht bedächten, noch aus Kurzsichtigkeit; und der scheinbar aufrichtige Zusammenschluss der Leute des Irrwegs kommt nicht aus Sorge um das Ende und hohem Blick. Vielmehr vermögen die Leute der Rechtleitung — die unter der Wirkung von Recht und Wahrheit den blinden Trieben der Seele nicht verfallen, sondern den weitblickenden Neigungen von Herz und Verstand folgen — Geradheit und Aufrichtigkeit nicht zu bewahren, und so verlieren sie jenen hohen Rang und geraten in Zwist.

(Lem'alar — Die Blitze, Zwanzigster Blitz, Vierter Grund)

IX. Ein Dirhem aufrichtigen Werkes

… wer auf dem Wege der Wahrheit — wer immer es sei — die Möglichkeit bedenkt, dass der andere besser sei als er selbst, seiner Ichsucht entsagt und die Aufrichtigkeit gewinnt; und wer weiß, dass ein Dirhem Werk mit Aufrichtigkeit Zentnern von Werken ohne Aufrichtigkeit vorgeht … der wird von jener Krankheit geheilt, gewinnt die Aufrichtigkeit und kann seine Aufgabe für das Jenseits recht erfüllen.

(Lem'alar — Die Blitze, Zwanzigster Blitz, Vierter Grund)

X. Was Aufrichtigkeit schenkt: das Gedenken des Todes

Anmerkung — Tûl-i emel — die „lange Hoffnung", zu leben, als bliebe man ewig in der Welt — verletzt die Aufrichtigkeit; ihre Arznei ist das Bedenken des Todes.

Die wirksamste Ursache, die Aufrichtigkeit zu erringen und zu bewahren, ist das Gedenken des Todes. Ja: Wie es die lange Hoffnung ist, welche die Aufrichtigkeit verletzt und zu Heuchelei und Weltverfallenheit treibt, so ist es das Gedenken des Todes, das Abscheu vor der Heuchelei weckt und die Aufrichtigkeit gewinnen lässt. Das heißt: seines Todes zu gedenken, zu bedenken, dass die Welt vergänglich ist, und sich so von den Listen der Seele zu befreien.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz — die İhlas-Abhandlung)

XI. Schluss: Bittgebet und Weisung

Vom Barmherzigsten aller Barmherzigen erflehen wir, alle Seine schönen Namen zu Fürsprechern nehmend: Er möge uns die vollkommene Aufrichtigkeit gelingen lassen. Âmin!

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz — Schlussgebet)

Dieser Blitz soll mindestens einmal alle fünfzehn Tage gelesen werden.

(Lem'alar — Die Blitze, Einundzwanzigster Blitz — Vermerk am Kopf der Abhandlung)

Die deutschen Fassungen der Zitate sind eigene, dem Original eng folgende Übertragungen; Auslassungen sind mit „…" markiert. Originalwortlaut: siehe die türkische Fassung dieser Seite.