Risale-i Nur

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Vortrag

Sparsamkeit

İktisat — eine Zusammenstellung aus der Risale-i Nur

Dieser Vortrag ist fast zur Gänze aus der Abhandlung geschöpft, die die Risale-i Nur der Sparsamkeit widmet: dem Neunzehnten Blitz — „über Sparsamkeit und Genügsamkeit, Verschwendung und Vergeudung". Die Abhandlung besteht aus sieben Anmerkungen (Nükte); hier sind aus jeder ausgewählte Stellen versammelt. Die Zwischenbemerkungen (Anmerkung) dienen nur der Einordnung; Quellen in Klammern: Buch, Kapitel, Abschnitt.

Begriffe: iktisat — Sparsamkeit, das rechte Maß; israf — Verschwendung; kanaat — Genügsamkeit; hırs — Gier; hısset — Geiz; bereket — Segensfülle.

I. Das Gebot des Korans

كُلُوا وَ اشْرَبُوا وَ لَا تُسْرِفُوا
— „Esst und trinkt, doch verschwendet nicht." Dieser edle Vers erteilt eine überaus wichtige Lektion der Weisheit: als entschiedenes Gebot der Sparsamkeit und als ausdrückliches Verbot der Verschwendung.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz — die İktisat-Abhandlung, Vorwort)

II. Ehrfurcht vor der Gabe — Geringschätzung der Gabe

Der allbarmherzige Schöpfer verlangt für die Gaben, die Er dem Menschengeschlecht gibt, Dank. Verschwendung aber ist das Gegenteil des Dankes: eine verlustreiche Geringschätzung der Gabe. Sparsamkeit dagegen ist eine gewinnbringende Ehrerbietung gegen die Gabe. Ja, die Sparsamkeit ist ein Dank im Innern; eine Ehrfurcht vor der göttlichen Barmherzigkeit, die in den Gaben liegt; ganz gewiss eine Ursache der Segensfülle; dem Leib eine Quelle der Gesundheit gleich einem Heilfasten; ein Grund der Würde, der von der Erniedrigung des inneren Bettelns errettet; und ein starker Anlass, die Wohlgeschmäcker in der Gabe zu empfinden und selbst in scheinbar geschmacklosen Gaben den Geschmack zu kosten. Die Verschwendung aber, weil sie diesen Weisheiten zuwiderläuft, hat verhängnisvolle Folgen.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Erste Nükte)

III. Die Zunge ist ein Türhüter

Der weise Schöpfer hat den Leib des Menschen wie einen vollkommenen Palast und nach dem Gleichnis einer wohlgeordneten Stadt erschaffen. … Da nun der Geschmackssinn im Munde ein Türhüter ist — und der Magen, was die Verwaltung des Leibes angeht, ein Herr und Gebieter —, so gebührt, wenn das Geschenk, das jenem Palast oder jener Stadt zukommt und dem Herrn des Palastes dargebracht wird, hundert Grade Wert hat, dem Türhüter als Trinkgeld nur etwa fünf Grade, nicht mehr. Damit der Türhüter nicht hochmütig werde, sich nicht verführen lasse, seine Pflicht nicht vergesse und nicht jene Aufrührer in das Innere des Palastes einlasse, die ein zu hohes Trinkgeld zahlen.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Zweite Nükte)

IV. Zwei Bissen

Auf dieses Geheimnis hin denken wir uns nun zwei Bissen. Der eine Bissen: von nährender Speise wie Käse und Ei, für vierzig Para; der andere Bissen: vom feinsten Baklava, für zehn Kuruş. Ehe sie in den Mund gelangen, ist zwischen diesen beiden Bissen, was den Leib betrifft, kein Unterschied — sie sind gleich; und nachdem sie die Kehle passiert haben, sind sie in der Ernährung des Körpers noch immer gleich; ja bisweilen nährt der Käse für vierzig Para sogar besser. Allein im Schmeicheln des Geschmackssinns im Munde liegt der Unterschied einer halben Minute. Um einer halben Minute willen von vierzig Para auf zehn Kuruş zu steigen — man ermesse, welch sinnlose und schädliche Verschwendung das ist.

Sparsamkeit und Genügsamkeit sind ein Handeln im Einklang mit der göttlichen Weisheit: Sie behandeln den Geschmackssinn als Türhüter und geben ihm sein Trinkgeld entsprechend. Die Verschwendung aber handelt dieser Weisheit zuwider — darum bekommt sie rasch ihre Ohrfeige: Sie bringt den Magen durcheinander und lässt den echten Appetit verloren gehen. Mit einem künstlichen, trügerischen Appetit, der aus der Vielfalt der Speisen kommt, lässt sie essen, verursacht Unverdaulichkeit und macht krank.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Zweite Nükte)

V. Der Geschmack der Dankbaren — und die Lehre des Gavs-ı A'zam

Anmerkung — Die Nükte verfeinert die Regel: Für die wahrhaft Dankbaren ist der Geschmackssinn ein Inspektor der Küchen der Barmherzigkeit. Anschließend wird die berühmte Antwort des Gavs-ı A'zam Şeyh Geylanî überliefert — an die Mutter, die klagte, ihr Sohn esse in seiner Schulung trockenes Brot, während der Meister Huhn aß:

Doch der Geschmackssinn der wahrhaft Dankbaren, der Leute der Wahrheit und der Leute des Herzens ist wie ein Aufseher und Inspektor der Küchen der göttlichen Barmherzigkeit. … Unter der Bedingung, nicht zu verschwenden, einzig die Pflicht der Dankbarkeit zu erfüllen und die Arten der göttlichen Gaben zu empfinden und zu erkennen — und sofern es erlaubt ist und nicht zu Erniedrigung und Bettelei führt — darf er dem Wohlgeschmack folgen.

„Wenn auch bei deinem Sohn der Geist über seinen Leib, das Herz über seine Selbstsucht und der Verstand über seinen Magen herrscht — und er den Wohlgeschmack um des Dankes willen begehrt: dann mag auch er die köstlichen Dinge essen."

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Dritte Nükte)

VI. „Wer sparsam ist, den drückt die Last des Unterhalts nicht"

لَا يَعُولُ مَنِ اقْتَصَدَ — nach dem Geheimnis dieses edlen Hadiths: Wer sparsam ist, erleidet in der Bestreitung des Unterhalts seiner Familie nicht viel Mühsal und Beschwer. Ja, dass die Sparsamkeit ganz gewiss eine Ursache des Segens und eine Quelle guten Auskommens ist — dafür gibt es Beweise ohne Zahl und Maß.

Jenen reichen Honoratioren sagte ich: „Mein Geld ist zwar sehr wenig; doch ich habe Sparsamkeit, ich bin an Genügsamkeit gewöhnt. Ich bin reicher als ihr." … Ja: Wer nicht sparsam ist, ist ein Anwärter darauf, in Erniedrigung, in inneres Bettlertum und in Elend zu fallen.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Vierte Nükte)

VII. Die wahre Versorgung steht unter göttlicher Bürgschaft

Ja, die Versorgung ist zweierlei: Die eine ist die wahre Versorgung, von der man lebt. Nach dem Urteil des Verses steht diese Versorgung unter der Bürgschaft des Herrn. Mischt sich nicht des Menschen eigener Missbrauch der Wahl ein, so findet er diese notwendige Versorgung allemal — und ist nicht gezwungen, seine Religion, seine Ehre oder seine Würde zu opfern.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Vierte Nükte)

VIII. Das Brot des Armen, das Baklava des Sultans

Gott der Erhabene lässt aus der Vollkommenheit Seiner Großmut den ärmsten Menschen wie den reichsten und den Bettler wie einen Sultan den Wohlgeschmack Seiner Gabe empfinden. Ja, der Geschmack, den ein Armer aus einem trockenen Stück schwarzen Brotes durch Hunger und Sparsamkeit zieht, ist köstlicher als der Geschmack, den ein Sultan und ein Reicher mit dem Überdruss und der Appetitlosigkeit, die aus der Verschwendung kommen, aus dem feinsten Baklava zieht.

Doch keineswegs! Sparsamkeit ist Würde und Großzügigkeit. Geiz und Niedrigkeit sind die Innenseite des äußerlich mannhaften Gebarens der Verschwender und Vergeuder.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Fünfte Nükte)

IX. Sparsamkeit ist nicht Geiz: die Antwort des İbn-i Ömer

Anmerkung — Abdullah İbn-i Ömer (r.a.) feilscht auf dem Markt um vierzig Para — und schenkt an den Türen seines Hauses zwei Armen unbemerkt je ein Goldstück. Dem verwunderten Gefährten antwortet er:

Zwischen Sparsamkeit und Geiz ist ein großer Unterschied. Wie die Demut eine lobenswerte Eigenschaft ist, dem Wesen nach verschieden von der Selbsterniedrigung, die zu den üblen Eigenschaften zählt, und ihr nur der Erscheinung nach ähnlich; und wie die Würde eine lobenswerte Eigenschaft ist, dem Wesen nach verschieden vom Hochmut, der zu den üblen Eigenschaften zählt, und ihm nur der Erscheinung nach ähnlich — so hat die Sparsamkeit, die zu den erhabenen Charakterzügen des Propheten gehört, ja zu den Trägern der Ordnung der göttlichen Weisheit im Universum, keinerlei Verwandtschaft mit dem Geiz, der eine Mischung aus Niedrigkeit, Knauserei, Habsucht und Gier ist. Allein der Erscheinung nach gibt es eine Ähnlichkeit.

„Das Verhalten auf dem Markt kam aus der Sparsamkeit, aus der Vollkommenheit des Verstandes und aus der Wahrung der Redlichkeit und Treue, die Grundlage und Seele des Handels sind — es war kein Geiz. Das Verhalten an meinem Hause kam aus der Zärtlichkeit des Herzens und aus der Vollkommenheit des Geistes. Weder war jenes Geiz, noch ist dieses Verschwendung."

Der İmam-ı A'zam sprach, auf dieses Geheimnis deutend: لَا اِسْرَافَ فِى الْخَيْرِ كَمَا لَا خَيْرَ فِى الْاِسْرَافِ — „Im Guten und im Wohltun (an die, die es verdienen) gibt es keine Verschwendung — wie es in der Verschwendung nichts Gutes gibt."

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Sechste Nükte)

X. Verschwendung gebiert Gier; Gier endet in Verlust

Die Verschwendung bringt die Gier hervor. Die Gier trägt drei Früchte. Die erste: die Unersättlichkeit. Die Unersättlichkeit aber bricht den Eifer zur Mühe und Arbeit; statt zu danken lässt sie klagen und wirft in die Trägheit. Den erlaubten, lauteren, geringen Besitz gibt sie auf und sucht einen unerlaubten, mühelosen Besitz — und opfert auf diesem Weg ihre Würde, ja ihre Ehre. Die zweite Frucht der Gier: Enttäuschung und Verlust — das Ersehnte zu verfehlen, lästig zu werden und Erleichterung und Beistand zu verlieren. …

Wie die naturgegebene Genügsamkeit der Bäume, die der Versorgung bedürfen, ihre Versorgung ihnen entgegeneilen lässt, während die Tiere in Gier, unter Mühsal und Mangel, ihrer Versorgung hinterherjagen — das zeigt den großen Schaden der Gier und den gewaltigen Nutzen der Genügsamkeit. Und dass allen schwachen Jungen um ihrer Genügsamkeit willen, die die Sprache ihres Zustandes ist, eine so feine Nahrung wie die Milch von unvermuteter Seite zufließt … beweist unsere Sache aufs Glänzendste. … اَلْقَنَاعَةُ كَنْزٌ لَا يَفْنٰى — nach dem Geheimnis des Hadiths „Die Genügsamkeit ist ein Schatz, der nicht versiegt" ist die Genügsamkeit ein Schatz guten Auskommens und der Ruhe des Lebens; die Gier aber ein Bergwerk des Verlustes und des Elends.

Die dritte Frucht: Die Gier zerbricht die Aufrichtigkeit und versehrt das Werk für das Jenseits. Denn hat ein Gottesfürchtiger Gier, so begehrt er die Zuwendung der Menschen. Und wer auf die Zuwendung der Menschen schielt, findet die vollkommene Aufrichtigkeit nicht.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Siebte Nükte)

XI. Summe

Summa summarum: Die Verschwendung bringt die Unersättlichkeit hervor. Die Unersättlichkeit bricht den Eifer der Arbeit und wirft in die Trägheit; sie öffnet dem Leben die Tür der Klage und lässt ohne Unterlass klagen. Sie zerbricht die Aufrichtigkeit und öffnet der Heuchelei die Tür. Sie zerbricht die Würde und weist den Weg des Bettelns. Die Sparsamkeit aber bringt die Genügsamkeit hervor. عَزَّ مَنْ قَنَعَ ذَلَّ مَنْ طَمَعَ — nach dem Geheimnis des Hadiths „Würdig ist, wer sich genügen lässt; erniedrigt, wer begehrt" bringt die Genügsamkeit die Würde hervor. Und sie ermutigt zu Mühe und Arbeit, mehrt den Eifer und lässt arbeiten.

(Lem'alar — Die Blitze, Neunzehnter Blitz, Siebte Nükte)

Die deutschen Fassungen der Zitate sind eigene, dem Original eng folgende Übertragungen; Auslassungen sind mit „…" markiert. Originalwortlaut: siehe die türkische Fassung dieser Seite.